
Das Motorola Edge 20 fällt vor allem durch eines auf: Es ist außergewöhnlich dünn. Mit nur rund 7 mm wirkt es fast wie ein Smartphone ohne Hülle – und das ist für Motorola, eine Marke mit eher rundlichen und oft wuchtigeren Geräten, eine echte Stiländerung. Trotzdem sollte man das Edge 20 nicht als große High-End-Offenbarung verstehen. Es hat zwar einen Hauch von „Flaggschiff“ im Auftreten, bleibt in der Praxis aber klar in der oberen Mittelklasse verankert.
Auf dem Datenblatt liest sich das Kamerapaket erst mal stark: 108 Megapixel, Ultraweitwinkel und ein echter 3-fach-Zoom – letzterer ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich. In der Bildqualität zeigt sich allerdings, dass gute Zahlen nicht automatisch spektakuläre Resultate bedeuten. Fotos und Videos gelingen zuverlässig, wirken aber häufig eher durchschnittlich und selten wirklich beeindruckend.
Auch das Display könnte auf den ersten Blick Gamer anlocken: 6,7 Zoll groß, auffällig und für Spiele grundsätzlich sehr geeignet. In der Praxis bremsen jedoch zwei Punkte: ein einzelner Mono-Lautsprecher, der nicht besonders kraftvoll ist, und ein Akku, der für lange Sessions nicht ideal dimensioniert wurde.
Unterm Strich ist das Edge 20 schwer auf eine klare Zielgruppe zuzuspitzen. Am sinnvollsten sieht man es als das, was es am besten kann: ein besonders schlankes, gut aussehendes Mittelklasse-Smartphone. Wer dagegen vor allem Wert auf Kamera-Konstanz, Gaming-Qualitäten oder maximale Ausdauer legt, findet in dieser Preisklasse einige naheliegende Alternativen.
Auf der Rückseite sitzen drei Kameras: ein 16-MP-Ultraweitwinkel, eine 108-MP-Hauptkamera sowie ein 8-MP-Tele mit 3-fachem optischem Zoom. Genau dieses Teleobjektiv hebt das Edge 20 von vielen Konkurrenten ab – denn für „echten“ Zoom muss man sonst meist mehr Geld ausgeben. Selbst manche deutlich populäreren Modelle kommen ohne optischen Zoom aus.
Die Kehrseite: Keiner der Sensoren gehört zur Spitzenklasse. Der 108-MP-Sensor ist beispielsweise ein Samsung HM2, also eher eine günstiger positionierte Komponente. Auch die übrigen Sensoren – inklusive der 32-MP-Frontkamera – basieren auf vergleichsweise preiswerter Hardware (u. a. von OmniVision). Das erklärt, warum die Ergebnisse trotz interessanter Ausstattung oft nicht über „solide“ hinausgehen.
Optisch wirkt das Edge 20 moderner als viele ältere Motorola-Modelle, doch beim Materialmix bleibt Luft nach oben. Die Rückseite besteht aus Kunststoff, und die Aluminiumseiten sind so beschichtet, dass sie neben dem Glasdisplay fast ebenfalls wie Kunststoff wirken. Das vermittelt weniger Premium-Gefühl, als das Design verspricht.
Die große Stärke ist die Bauhöhe: Mit ungefähr 7 mm ist das Gerät wirklich dünn. Dadurch fühlt es sich selbst mit der mitgelieferten Silikonhülle noch erstaunlich schlank an.
Während viele günstige Motorola-Modelle teils auf nicht näher bezeichnetes Glas setzen, hat das Edge 20 vorne immerhin Gorilla Glass 3.
Das Motorola Edge 20 kam im August 2021 auf den Markt und positioniert sich zwischen Edge 20 Pro und Edge 20 Lite. Mit einem Preis von 399 € war es zum Start die „mittlere“ Option der Reihe.
In diesem Bereich konkurriert es mit mehreren starken Geräten etablierter Marken – je nach Fokus etwa Modelle wie Googles Pixel-Reihe, OnePlus Nord-Varianten oder beliebte Mittelklasse-Smartphones von Samsung und Xiaomi.
Veröffentlicht am: